Gewerbe

„Hilfe, die Fahrradfahrer kommen!“ – Ein Hilferuf aus dem untergehenden Gewerbeparadies Ostkreuz

Liebe Mitbürger, Kunden, Konsumenten –Ich, Rüdiger B., stolzer Betreiber des letzten echten Schrauben-Einzelhandels „Muttern & Mehr“ am Ostkreuz, wende mich heute mit einem flammenden Appell an Sie. Ich sehe mich gezwungen, aufzubegehren gegen eine Bedrohung, die unsere schöne Friedrichshainer Gewerbewelt in den Abgrund zu stoßen droht: Verkehrsberuhigung. Ja, Sie haben richtig gelesen. Diese schleichende Plage rollt an wie ein Lastenrad auf abschüssigem Kopfsteinpflaster. Parkplätze verschwinden, Autos werden vergrämt, und plötzlich darf ein SUV nicht mehr auf dem Zebrastreifen halten, um „nur mal schnell“ einen Kaffee zu holen. Ich frage Sie: Wie soll ich Schrauben verkaufen, wenn meine Kundschaft nicht mehr mit dem Auto direkt bis in meinen Laden hineinrollen kann? Soll sie etwa… zu Fuß kommen? Mit dem Fahrrad gar? Lächerlich.

Die Befürworter – pardon, die Fahrrad-Lobbyisten – werfen uns panische Gewerbetreibende mit sogenannten „Studien“ zu. Studien! Diese angeblich objektiven Untersuchungen behaupten dreist, dass Fußgänger und Radfahrer sogar mehr Geld in Innenstädten lassen als Autofahrer. Na klar. Und das nächste Mal erzählen sie uns, dass ein Kinderspielplatz vor dem Schaufenster besser ist als ein Lieferwagen mit laufendem Dieselmotor. Ich für meinen Teil ziehe den Duft von Abgas dem von Bio-Bananen vor.Verstehen Sie mich nicht falsch – ich bin nicht gegen Veränderung. Ich bin nur dagegen, dass sich irgendetwas ändert. Früher war Friedrichshain ein Ort, wo man noch ordentlich hupen konnte, wenn man vor dem Bäcker stand. Heute kommt man kaum noch durch, weil ständig jemand einen Zebrastreifen benutzt.Ich fordere deshalb:

Sofortige Rückführung aller neu geschaffenen Fahrradwege in ihren natürlichen Aggregatzustand: Parkplatz.

Eine Schutz-Zone rund um jeden Gewerbebetrieb, in der motorisierter Individualverkehr heilig ist.

Ein Denkmal für den „Eiligen Kunden“, der mit laufendem Motor die lokale Wirtschaft am Leben erhält.

Denn wenn diese Verkehrsberuhigung durchkommt, dauert es nicht mehr lange, und statt meines Schraubenladens sitzt da ein Yogastudio mit Kombucha-Tasting.

Und dann? Dann haben wir den Salat. Aus regionaler Erzeugung. Und ohne Dressing. Hochachtungsvoll,

Rüdiger B.

Widerständler, Unternehmer, Autoparker.

(PS: Wer mich unterstützen will – ich habe eine Petition in Papierform. Die kann man nur unterschreiben, wenn man mit dem Auto kommt. Sonst zählt es nicht.)

der Text ist natürlich Satire, bezieht sich aber auf die unsachliche Diskussion im Kiez.

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